Maßnahme des Aktionsplans zur Bewusstseinsbildung für Barrierefreiheit

Gebäude so bauen und öffentliche Räume so gestalten, dass sie für Menschen mit Behinderungen barrierefrei sind oder werden: Zum Thema Barrierefreiheit veranstaltet das Referat für Stadtplanung und Bauordnung für seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter regelmäßig praxisorientierte Fortbildungen. Die Veranstaltungen laufen im Rahmen der Maßnahme „Fachspezifische und praxisorientierte Fortbildung zu Barrierefreiheit für die Beschäftigten des Referats für Stadtplanung und Bauordnung“. Die Maßnahme ist eine von insgesamt 47 Maßnahmen des 1. Aktionsplans zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention ist. Der 1. Aktionsplan wurde 2013 vom Stadtrat beschlossen. Für die Durchführung seiner Maßnahmen sind, je nach Themenbereich, unterschiedliche Referate zuständig. Mit dem Aktionsplan will die Stadt zur gleichberechtigten Teilhabe und zur Inklusion von Menschen mit Behinderungen beitragen. Für die Betreuung der Maßnahme „Praxisorientierte Fortbildung“ ist Jürgen Wieland vom Planungsreferat zuständig. Der Sachgebietsleiter für Personal, Organisation und strategisches Controlling war maßgeblich an der Entwicklung dieses Projekts beteiligt. Wie diese Fortbildung aussieht und was sie bewirkt, lesen Sie im nachfolgenden Interview.

Praxisorientierte Fortbildung zum Thema Barrierefreiheit. Foto: Planungsreferat

Praxisorientierte Fortbildung zum Thema Barrierefreiheit. Fotos: Planungsreferat
Praxisorientierte Fortbildung zum Thema Barrierefreiheit. Fotos: Planungsreferat

 

 

 

 

 

 

Herr Wieland, seit dem Jahr 2015 finden im Planungsreferat praxisorientierte Fortbildungen zum Thema Barrierefreiheit statt. Was sind die Ziele dieser Fortbildungen?
Jürgen Wieland: Unsere Beschäftigten werden aufgrund ihrer Aufgabenstellungen in den Bereichen Stadtplanung, Sanierung und Baugenehmigungen immer wieder mit Fragen zur Barrierefreiheit konfrontiert. Dies bietet ihnen die Möglichkeit, dabei mitzuwirken, Barrieren abzubauen oder aber von vornherein zu verhindern. Da drängt es sich förmlich auf, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für diese Thematik besonders zu sensibilisieren, um maßgeblich an einer inklusiveren Stadt mitzuwirken.

Wie sieht die Fortbildung konkret aus?
Jürgen Wieland: Kern der Fortbildung ist das Zusammentreffen von Menschen mit Behinderungen und unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. In einer Veranstaltung durchlaufen die Beschäftigten vier Stationen. Jede Station thematisiert eine Beeinträchtigung von Menschen mit Behinderung. In den Stationen „Altersanzug/Simulation von Gleichgewichtsstörungen“, „Blindheit und Sehbehinderung“, „Mobilitätseinschränkung (Fortbewegung im Rollstuhl)“ und „Schwerhörigkeit“ haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Gelegenheit, einmal in die Rolle von Menschen mit Beeinträchtigung zu schlüpfen. So können sie Erfahrungen sammeln, welche Barrieren es im täglichen Leben zu überwinden gilt. Zum Abschluss der Veranstaltung laden wir alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer noch zu einem „Dinner in the Dark“ ein. Wir müssen uns zwar auf eine kleine Brotzeit beschränken. Dafür wird aber in absoluter Dunkelheit gegessen und getrunken. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen Essen und Getränke ertasten und sich auf ihre Geschmacksnerven verlassen.

Welche Erfahrungen wurden in und durch die Fortbildungen gemacht?
Jürgen Wieland: Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter äußern sich fast durchwegs positiv zu unserer Veranstaltung. Auch die Menschen mit Behinderungen, die uns unterstützen, halten die Veranstaltung für eine sehr gelungene Aktion. Sie stärkt das Bewusstsein für die Probleme von Menschen mit Behinderungen.
Der unmittelbare Kontakt zwischen den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und den Menschen mit Behinderungen führt dazu, Unsicherheiten, Barrieren im Kopf und mögliche Vorurteile abzubauen. Der Blick für Barrieren und das Selbstvertrauen, Menschen mit Behinderungen in schwierigen Situationen Unterstützung anzubieten, wird gestärkt.

Was haben die Fortbildungen gebracht?
Jürgen Wieland: Die Erfahrungen, die in den Fortbildungen gewonnenen werden, können direkt in die Arbeit einfließen: zum Beispiel bei der Bauberatung oder bei der Stadt- und Verkehrsplanung. Wir können dies zwar nicht in konkreten Zahlen ausdrücken. Wir gehen aber davon aus, dass sich durch den mittel- und langfristigen unmittelbaren Kontakt und durch die Einflussnahme auch das Bewusstsein der Bürgerinnen und Bürger und der Menschen, die im Bauwesen tätig sind, verändern wird. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die ihr Bewusstsein verändert haben, nehmen das auch mit in ihren privaten Bereich. Sie wirken somit über ihren Arbeitsbereich hinaus als Multiplikatoren.

Herr Wieland, vielen Dank für das Gespräch.