Sozialreferentin Dorothee Schiwy eröffnet Foto-Ausstellung zum Thema Inklusion

„Selbstbestimmt! Was heißt hier Inklusion?“ – so lautet der Titel der Foto-Ausstellung, die Sozialreferentin Dorothee Schiwy am Donnerstag eröffnete. Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger waren zur Vernissage ins Alten- und Servicezentrum Untergiesing gekommen. Was es mit dem Titel der Ausstellung auf sich hat, wie sie entstanden ist und welche Ziele die Münchner Stadtpolitik in Sachen Inklusion und Teilhabe verfolgt, lesen Sie in der nachfolgenden Presse-Information zur Eröffnungsveranstaltung.

Dorothee Schiwy hielt die Eröffnungsrede. © Nagy/LHM
Dorothee Schiwy hielt die Eröffnungsrede. © Nagy/LHM

 

 

Gäste der Vernissage vor den Exponaten. © Nagy/LHM
Gäste der Vernissage vor den Exponaten. © Nagy/LHM

Der Titel „Selbstbestimmt! Was heißt hier Inklusion?“ enthält zwei Begriffe, die für die Rechte von Menschen mit Behinderungen eine zentrale Bedeutung haben und die in der UN-Behinderten­rechtskonvention (UN-BRK) verankert sind. Menschen mit Behinderungen haben das gleiche Recht auf eine selbstbestimmte Lebensführung wie Menschen ohne Behinderungen. Sie sollen selbst entscheiden, wo sie wohnen, auf welche Schule sie gehen oder welche Arbeitsplätze sie haben möchten. Und sie haben das Recht auf die erforderliche Unterstützung, zum Beispiel durch Assistenz. „Die selbstbestimmte, uneingeschränkte und gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen, unabhängig davon, ob mit oder ohne Behinderung, ist schon lange ein erklärtes Ziel der Münchner Stadtpolitik“, erläuterte die Sozialreferentin Dorothee Schiwy. „Gelebte Inklusion kann jedoch nur funktionieren, wenn alle bereit sind, sich dafür einzusetzen – von den Entscheidungsträgerinnen und -trägern bis hin zu den Bürgerinnen und Bürgern.“

Ein wichtiger Schritt zum Abbau von Barrieren ist Bewusstseinsbildung. Die Foto-Ausstellung, die nun als Wanderausstellung quer durch München ziehen wird, soll dazu beitragen. Entstanden ist die Ausstellung im Zuge eines Wettbewerbs, den das Koordinierungsbüro zur Umsetzung der UN-BRK im Jahr 2016 ausgelobt hatte. Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger hatten am Wettbewerb teilgenommen und Fotos eingeschickt. Mitgemacht haben Menschen mit und ohne Behinderung, junge und ältere Menschen, Menschen aus München und ehemalige Münchner, die heute woanders leben. Und ganz spontan auch Touristen, die auf die ausgehängten Plakate mit dem Aufruf zur Teilnahme am Wettbewerb aufmerksam geworden waren.

Was bedeutet „Selbstbestimmt!“, wenn es um Inklusion von Menschen mit Behinderungen geht? Mit welchen Bildmotiven lässt sich das Thema fotografisch umsetzen? Mit Fragen wie diesen setzten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Wettbewerbs auseinander. Als Gewinn winkten Geldpreise bis zu 1.500 Euro. Eine Jury sichtete und bewertete die zahlreichen Einsendungen. In der Jury vertreten waren Mitglieder des Stadtrats sowie des Behindertenbeirats der Landeshauptstadt München, der Münchner Behindertenbeauftragte und eine Fotografin. Eine Auswahl der besten Beiträge wird jetzt anlässlich des Internationalen Tages der Menschen mit Behinderung mit der Ausstellung erstmals öffentlich gezeigt. Die Fotos werden noch bis zum 13. April 2018 im ASZ Untergiesing in der Kolumbusstraße 33 präsentiert. Die Exponate können montags bis donnerstags von 9 bis 17 Uhr und freitags von 9 bis 15 Uhr besichtigt werden. Der Eintritt ist frei.

 

Darum sind Inklusion und der Abbau von Barrieren wichtig

 

Lücken und Bedarfe gibt es beim Thema Inklusion noch in vielen Bereichen – beispielsweise in den Bereichen Wohnen, Arbeit oder Bildung. So ist es inzwischen für Menschen mit Behinderungen fast unmöglich geworden, in der bayerischen Landeshauptstadt eine Wohnung zu finden, wenn sie von außerhalb zuziehen möchten und keinen Anspruch auf eine Sozialwohnung haben – selbst wenn bereits ein Arbeitsplatz in München vorhanden ist. Die Wohnungssuche verläuft häufig nur noch erfolgreich, wenn die Betreffenden bereits vorher in einer der großen Einrichtungen wie zum Beispiel der Pfennigparade waren. Was das Thema Arbeit betrifft, so wird es für Menschen mit Behinderungen auf dem ersten Arbeitsmarkt immer schwerer, eine (adäquate) Anstellung zu finden. Im Bildungsbereich ist eine inklusive Bildungslandschaft noch lange nicht erreicht. Und der Armutsbericht hat gerade erst gezeigt, dass Menschen mit Behinderungen in allen Lebensphasen einem erhöhten Armutsrisiko ausgesetzt sind. „In puncto Inklusion gibt es noch viel zu tun. Zwar hat sich die Stadt schon vor Jahren auf den Weg gemacht“, so die Sozialreferentin, „doch das Ende dieses Weges ist noch lange nicht erreicht. Deshalb arbeiten wir intensiv daran, dass München Schritt für Schritt inklusiver wird.“

 

München wird inklusiv

 

Bereits im Jahr 2013 beschloss der Münchner Stadtrat den 1. Aktionsplan zur Umsetzung der UN-BRK. Er enthält 47 Maßnahmen, die dazu beitragen sollen, die Situation von Menschen mit Behinderungen im Alltag weiter zu verbessern. Die inklusionsfördernden Maßnahmen erstrecken sich auf alle gesellschaftlichen Bereiche wie zum Beispiel Bildung, Gesundheit, Arbeit, Bauen, Kultur oder soziale Sicherung.

Während an einigen Maßnahmen aus dem 1. Aktionsplan noch gearbeitet wird, ist die Entwicklung des 2. Aktionsplans schon in vollem Gange. Geplant ist, den 2. Aktionsplan Ende 2018 dem Stadtrat vorzulegen. Weil die Stadt gerade beim Thema Inklusion Wert auf Partizipation und Selbstbestimmung legt, hatten Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit, Vorschläge für neue Maßnahmen eines 2. Aktionsplans einzureichen. Von Anfang Mai bis Mitte August 2017 sind beim Koordinierungsbüro zur Umsetzung der UN-BRK rund 250 konkrete Vorschläge eingegangen. Darüber hinaus fand im Juli 2017 ein Workshop statt, an dem rund 50 Menschen mit Lernschwierig­keiten teilnahmen. In dem Workshop wurden weitere Vorschläge für den 2. Aktionsplan gesammelt. Alle von den Bürgerinnen und Bürgern eingereichten Vorschläge wurden an Arbeitsgruppen weitergeleitet, die den Aktionsplan entwickeln. In den Arbeitsgruppen sind Menschen mit Behinderungen, Mitglieder des Behindertenbeirats der Landeshauptstadt München, Fachleute der Münchner Stadtverwaltung und externe Expertinnen und Experten vertreten.

 

Weitere Maßnahmen zur Förderung von Inklusion

 

Auch außerhalb des Aktionsplans gibt es zahlreiche Maßnahmen, mit denen die Stadt die Inklusion in München voranbringen will. Hier nur einige Beispiele:

  • Barrierefreie Wahllokale
  • Broschüre „Barrierefrei durch München – Ein Wegweiser für TouristInnen und Einheimische“ des Behindertenbeirats
  • Inklusiver Stadtteil Freiham
  • Bus & Bahn Begleitservice München des Katholischen Männerfürsorgevereins, ein Begleitservice für mobilitätseingeschränkte Fahrgäste im Münchner Stadtgebiet
  • Bessere Einstiege an den Bus-Haltestellen durch höhere Bordsteine und taktile Markierungen für Blinde
  • Barrierefreie Theatervorstellungen in den Münchner Kammerspielen mit Audio­deskription für blinde Menschen und Menschen mit Sehbehinderung sowie mit Gebärdensprach­dolmetscherinnen und -dolmetschern für Gehörlose
  • Blindenstadtplan für die Münchner Innenstadt
  • Toiletten für alle, in denen auch erwachsene Menschen gewickelt werden können, zum Beispiel an der Floßlände und am Flaucher
  • Zuschüsse:

Für inklusionsfördernde Maßnahmen hat das Sozialreferat ein jährliches Budget von rund 1,1 Millionen Euro für 15 Projekte und zusätzlich 150.000 Euro für Einzelmaßnahmen, die der Barrierefreiheit und Bewusstseinsbildung dienen. Dies beinhaltet keine baulichen Maßnahmen. 150.000 Euro werden bis Ende diesen Jahres ausgereicht sein.

 

  • Bewährte Strukturen:

Bereits seit 1973 gibt es den Behindertenbeirat der Landeshauptstadt München, der mit seinen Facharbeitskreisen die Interessen der Menschen mit Behinderungen vertritt. Darüber hinaus hat die Isar-Metropole seit 2004 einen ehrenamtlichen Behinderten­beauftragten als Ansprechpartner und Ombudsperson für die Münchner Bürgerinnen und Bürger. Außerdem gibt es seit 1987 den städtischen Beraterkreis barrierefreies Planen und Bauen. Der Beraterkreis führt Projektberatungen in Bezug auf Umbauten, Neubauten oder Sanierungen durch.

 

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